Hoher Einsatz

DEMOKRATIE UNTER DER LUPE: Allgegenwärtig, aber alles andere als selbstverständlich. Warum wir uns den Wert von Demokratie immer wieder bewusst machen sollten. Und warum das besonders gut an der vhs gelingt. Eine Spielanleitung.
TEXT: Bernhard Rauh FOTOS: Gettyimages

Das Leben kommt einem manchmal wie ein Spiel vor: Man setzt auf ein Feld, trifft eine Entscheidung und hofft zu gewinnen. Am selben Tisch sitzen Mit-, aber auch Gegenspieler. Und nicht immer spielen alle fair. Ein ähnliches Gefühl verbinden manche mit der Politik: „Die da oben machen, was sie wollen“, heißt es schnell, wenn sich einige Bürgerinnen und Bürger übergangen fühlen und es mit Politikverdrossenheit und mangelnder Wahlbeteiligung quittieren.


Demokratie ist aber alles andere als ein Glücksspiel. Die Würfel liegen in unserer Hand: In Wahlen und Bürgerentscheiden, durch gesellschaftliches und politisches Engagement und durch unser Interesse für die diskutierten Themen legen wir Bürger den Grundstein für einen funktionierenden Staat. Dazu müssen wir uns jedoch bewusst machen, was auf dem Spiel steht, welchen Wert Demokratie hat und wie wir ihn schützen können – immer wieder aufs Neue.

LANGER WEG AN DIE WAHLURNE

Zunächst aber zurück auf Los: Die Idee eines vom Volk bestimmten Staats existiert bereits seit der Antike. Das heißt aber nicht, dass demokratische Prinzipien wie Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit von Beginn an auch gelebt wurden. So war der Weg für Frauen an die Wahlurne ein recht langer und mühsamer: In Deutschland etwa dürfen Frauen erst seit 1918 wählen, in Liechtenstein sogar erst seit 1984. Ein Beispiel von vielen, das zeigt, dass sich Demokratie ständig verändert. Davon zeugt auch die deutsche Geschichte: „Die Demokratie kann hierzulande nicht auf eine ungebrochene Tradition zurückblicken“, so Sabrina Hüttner, Programm-Managerin an der vhs Würzburg. „Vielmehr ist sie eine Geschichte gescheiterter Versuche.“ Die Weimarer Republik etwa hatte zwar viele Anhänger, aber eben auch erbitterte Gegner. Diese waren zahlenmäßig zwar unterlegen, artikulierten sich dafür aber umso lauter und wendeten sich mit zunächst demokratischen Mitteln gegen die Demokratie. Nur kurze Zeit später war die junge Demokratie mit Billigung des Wählers abgeschafft, zugunsten der Hitler-Diktatur. Erst der zweite demokratische Staat, so wie wir ihn kennen, kann als Erfolgsgeschichte bezeichnet werden.

NICHTS IST SELBSTVERSTÄNDLICH

Wir haben uns inzwischen an die Demokratie gewöhnt, sie ist für uns selbstverständlich geworden. Darin liegt aber auch die Gefahr: In den USA, europäischen Nachbarstaaten, aber auch hierzulande haben Populismus und Nationalismus Konjunktur. Regelmäßig wird die für eine Demokratie so zentrale Meinungs- und Pressefreiheit mit Füßen getreten: Nachrichten als „Fake News“ und Medien als „Lügenpresse“ verun­glimpft – Journalisten sogar weggesperrt. Es wird schnell über Demokratie gespottet, aber gibt es Alternativen? Trotz all ihrer Schwächen und Mängel „ist sie die einzige Staatsordnung, die uns ein System von Spielregeln zur Verfügung stellt, in dem Konflikte friedlich ausgetragen, Kompromisse gefunden und Fehler korrigiert werden können“, so Hüttner. Dazu braucht es aber mitdenkende Menschen, die ihre Regeln kennen und mitgestalten wollen.


LERNORTE DER DEMOKRATIE

Und wo kann man dies besser lernen als in den „Lernorten und Werkstätten der Demokratie“, wie der damalige Bundespräsident Joachim Gauck 2016 die Volkshochschulen bezeichnete? In ihrer über 100-jährigen Geschichte haben sie immer wieder auf gesellschaftliche Veränderungen reagiert und sie mitgestaltet. „Gleichzeitig haben sie ihr Programm und ihr pädagogisches Handwerkszeug an neue Bedürfnisse angepasst“, sagt Stefan Moos, Leiter der vhs Würzburg & Umgebung, „ohne ihren Prinzipien der Neutralität, Überparteilichkeit und konfessionellen Ungebundenheit untreu zu werden.“ In Vorträgen mit Diskussionen und in Kursen fördert die vhs geschichtliches und politisches Wissen, das den Einzelnen dazu befähigt, seinen Horizont zu erweitern und sich am politischen Entscheidungsprozess aktiv zu beteiligen. Und die Voraussetzungen hierfür waren nie besser als im kommenden Frühjahr/Sommer: Das studium generale – ein Konzept der vhs, um Wissen breiten Bevölkerungsschichten nahezubringen – legt seinen Semesterschwerpunkt aktuell auf das Thema Demokratie: Geschichte, Entwicklungen sowie die vergangenen, gegenwärtigen und künftigen Herausforderungen, mit denen sich diese Staatsform befasst, werden an der vhs Würzburg & Umgebung unter die Lupe genommen. Denn: „Demokratie will immer wieder gelernt und gelebt werden“, so Moos. Damit uns am Ende nicht die Würfel aus der Hand genommen werden oder es heißt: „Rien ne va plus.“*


(*Ansage beim Roulette, dass nicht mehr gesetzt werden darf.)


DEMOKRATIE RANKING

DEMOKRATIE (QUALITÄT) AUF DEM PRÜFSTAND:

USA UND POLEN MIT PUNKTEVERLUSTEN

Die Studie der Bertelsmann-Stiftung untersucht regelmäßig 41 Staaten der EU und der OECD (hier eine Auswahl dargestellt) hinsichtlich ihrer Demokratiequalität. Das Ergebnis: Fast alle Industriestaaten lassen in den letzten Jahren nach. Das gilt längst nicht mehr nur für bekannte Sorgenkinder wie Ungarn oder die Türkei. Quelle: SGI, Bertelsmann-Stiftung


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