„Ich bin dann mal draußen“

FRÜHLINGSERWACHEN: Die Natur steht in den Startlöchern. Zeit, rauszugehen und Neues zu entdecken. Oder aber Altes wiederzuentdecken, wie das Wissen um Wildkräuter. Holen Sie es mit der vhs wieder in den Alltag zurück.
TEXT: Judith Küfner FOTOS: Gettyimages

Sie schießen förmlich aus dem Boden: am Wegesrand, im Wald und auf Wiesen – selbst in unseren dicht bebauten Städten. Doch nur die wenigsten nehmen sie so richtig wahr: Die Rede ist von Wildkräutern. Brennnessel, Löwenzahn oder Vogelmiere – um nur drei zu nennen. Schließlich wachsen in Deutschland über 1.500 Wildkräuter. Doch selbst die aufmerksamsten Spaziergänger haben meist nicht viel für sie übrig. Für die meisten sind sie schlicht Unkraut: Pflanzen, die unerwünscht zwischen angebauten Rosenbüschen, Tomatenpflanzen oder Erdbeerstauden wachsen – ein wahrer Dorn im Auge. Dabei sind Wildkräuter eine kulinarische und medizinische Bereicherung für jeden Haushalt, wie das reichhaltige Kursprogramm der vhs vermittelt.


SUPERFOODS AUS DEUTSCHLAND

Es ist ein wenig paradox: Früher war das Wissen über Wildkräuter, ihre Wirkweise und Nutzbarkeit weit verbreitet. Heute wissen viele nichts mehr mit diesen Pflanzen anzufangen. Altbewährtes Wissen droht verloren zu gehen. Gleichzeitig liegt gesunde Ernährung im Trend. Dabei spielen sogenannte Superfoods eine zentrale Rolle: Ob Goji-Beeren, Chia-Samen, Moringa, Aronia oder Spirulina-Algen – die kleinen Nährstoffbomben sollen besonders wohltuend für Körper und Gesundheit sein. Dabei muss man gar nicht in die Ferne schweifen oder viel Geld in Reformhäusern und Bio-Märkten lassen. Superfoods wachsen direkt vor unserer Haustür. Und sie sind kostenlos!

Grüner Balkon: Platz ist bekanntlich in der kleinsten Hütte. So eignen sich Wildkräuter wunderbar für den Anbau auf dem städtischen Balkon oder Fensterbrett.

MIT ALLEN SINNEN ERLEBEN

Um altbewährtes Wissen wieder zurück in den Alltag zu holen, bietet die vhs Würzburg & Umgebung zahlreiche Kurse an. Und nicht selten geht es hier mit allen Sinnen zu: Beim Schmecken, Riechen und Anfassen lernen die Teilnehmer*innen die verschiedenen Eigenschaften der Wildkräuter kennen und erfahren dabei Wissenswertes über Lebensraum, Anbau, Wirkung und Zubereitung. Mehr noch: Gemeinsam werden aus den Pflanzen und ihren Blüten ganz praktisch auch Teemischungen und Öle hergestellt. Dabei erweisen sich die heimischen Pflanzen als wahre Alleskönner: lecker und gesund zugleich. „Aufgrund ihrer Bitterstoffe schmecken sie aromatisch und sind dabei wahre Vitamin- und Mineralienbomben“, so Sabine Steinisch, Programm-Managerin an der vhs Würzburg. Während sich Löwenzahn und Gänseblümchen wunderbar im Salat machen, kann die Brennnessel wie Spinat verzehrt werden.


IDEAL FÜR ZUHAUSE

Damit nicht genug: Einigen Wildkräutern sagt man sogar heilende Wirkung nach. Ideal also, um die Haus­apotheke zu ergänzen, wenn mal nicht das passende Medikament im Haus ist. Die Pfefferminze etwa wirkt durch ihren hohen Mentholgehalt desinfizierend, entzündungshemmend, entgiftend und schleimlösend bei Husten und Erkältung. Aber keine Sorge: Man muss weder einen grünen Daumen haben noch einen eigenen Garten besitzen, um sich nun ein kleines „Kräutergärtchen“ anzulegen. Die Kräuter lassen sich wunderbar auf dem Balkon oder der Fensterbank anbauen. Selbst auf kleinstem Raum fühlen sich die Pflanzen wohl, was sie gerade für Menschen, die in der Stadt leben, interessant macht. Gleichzeitig helfen sie ihnen dabei, im Alltag nicht den Bezug zur Natur zu verlieren.